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DUMÉLA LADIES! Textaufzeichnungen. [zurück zum Filmdatenblatt] 4. April, 2001, Gaborone Ankunft in der Hauptstadt. Ich spüre die Hitze, ich rieche, schmecke. Gleich als erstes gehe ich zum Markt. Staubige Wege führen mich zur African Mall. Die weitflächige Stadt zerfällt in einzelne Dörfer. Dazwischen die Hochhäuser des Regierungsviertels. Das Gras und die Büsche sind grün vom Regen. Aidstafeln an jeder Ecke: "Aids ist leicht zu vermeiden. 1 . Enthalte dich, 2. sei treu, 3. benutze Kondome". Rosinah und Banyanabotlhe bringen mir Sätze aus dem Phrasebook für setswana - englisch bei: Duméla rra - Good morning, Sir; Duméla mma - Good morning, Madame; O tsogile jan? – Ke tsogile sentlé -How are you? – I am fine; Tséna - Come in; Nna fa fatshe - Sit on the ground; Setuló ke se - Here is a chair; Éma fa - Stand here. Rosinah hat immer noch nicht angefangen, ihr Haus zu bauen. Die Zementsteine liegen - wie schon im letzten Jahr - aufgeschichtet auf dem Hof. 10. April, 2001, Francistown Die Stummen Blicke auf der Straße sagen: So wie du bist, ist es gut! Das anonyme Akzeptieren, wie ich es hier erlebe, finde ich in Deutschland nur selten. Meine eigene Gegenwart wird so selbstverständlich zur Kenntnis genommen, daß ich von außen her betrachtet mein Anderssein – die helle Haut und die europäische Herkunft – für Momente vergesse. 12. April, 2001, Maun Falsches Haar, Kämme und ein Spiegel, vier Stühle – ich stehe in einem Haarsalon auf dem Markt. Unter einem Sonnendach auf einem Holztisch liegen Nadeln, eine Kerze, Wolle und Streichhölzer. Ich bin fasziniert von der Flechtkunst der Friseurinnen und der Stärke und Schönheit ihrer Kundinnen. Die Frauen verwenden viel Zeit und Geld für Aussehen und Haare. Abends: In Bessie Heads Roman When Rain Clouds Gather lese ich: "Über die Jahre hat Mma-Millipede herausgefunden, daß die Beziehungen, die Frauen mit Männern in ihrem Land hatten, von zweierlei Art waren. Die eine war eine rein körperliche Beziehung. Sie verursachte keinen seelischen Zusammenbruch, war frei und locker, und jede Frau hatte sechs oder sieben Liebhaber, einen Ehemann eingeschlossen. Die andere war ernster und seltener. Sie konnte zu seelischem Zusammenbruch und Selbstmord auf Seiten der Frau führen, da sie einerseits von der Annahme ausging, daß der Mann die Verehrung wert sei, während er in Wirklichkeit voller schockierender Enttäuschungen steckte; und andererseits konnte diese Verehrung das Ausmaß einer täglichen und höchst gefährlichen Kost annehmen. Da Mma-Millipede die Beerdigungsgewänder nähen mußte, hatte sie gelernt, diese zweite Art von Beziehung zu fürchten, und sie gab gegen ihr Gewissen der ersten den Vorzug. Sicherlich war es doch weit besser, schloß sie, das Land freizügiger Frauen zu sein, als das Land der toten Frauen." 2.Mai, 2001, Gaborone Ich besuche Rosinah und Cornie, zwei Frauen, die Mitte dreißig sind, und spreche über ihre Erfahrungen mit Aids und ihre Liebesverhältnisse zu Männern: Cornie: We got the message about Aids late, and people were doubtful about this. If somebody died from Aids nobody will say this person had Aids. They said, she was poisoned, she had pain here and there. People don’t face the problem, they just say, the people are bewitched and poisoned, they believe in witchcraft and bad luck. (...) Rosinah: Man are not fair enough. A man has for example a girlfriend and he tells the girlfriend you are my future wife you are my everything. I will marry you. And they stop using condoms. Yet he has three or for more girlfriends, but the girlfriend doesn’t know and also she doesn’t know whether they use condoms or not. She believes we are partners we stick to each other. The girlfriends also could have more boyfriends. That’s the way how Aids spread (...) 12 Mai 2002, Kang Ein Dorf in der Kalahari. Abends sitze ich mit meinen Gastgebern ums Feuer. Wenn eine ältere Person den Kreis betritt, machen die jüngeren Platz. Die hierarchische Ordnung zwischen den Geschwistern und gegenüber den Erwachsenen wird genauestens eingehalten. Am nächsten Morgen: Itumeleng, die älteste Tochter der Familie, nimmt meine Super 8 Kamera. Sie filmt die Exoten auf dem Hof: die Buschleute und mich. 16. Juni 2002, Kanye Vor einem Haus mit Säulen steht eine Frau in schwarzer Männerkleidung. Sie betrachtet mich kritisch. Nnana Bontleeng Ghaseitsiwe ist eine Prinzessin der Bangwaketse. Sie führt den Haushalt ihres Bruders Seatla, dem derzeitigen Kgosi (Landesfürst) im südlichen Botswana. Die Prinzessin zeigt auf den 100 Pula Geldschein: "Der Mann in der Mitte ist mein Großvater: Batoen I". Batoen ist einer der visonären Gründer Botswanas. Die drei Fürsten verhinderten die vollständige Kolonialisierung des Landes. Vor seiner Befreiung 1966, war Botswana unter englischem Protektorat. Durch mein Weißsein und durch die Kamera ziehe ich die Aufmerksamkeit auf mich, die der Prinzessin gebührt. Die Spannung unter uns wächst. Allmählich verstehe ich, und stelle mich einen halben Schritt hinter die Prinzessin. Sie spricht zuerst mit ihren Leuten, dann stellt sie mich vor. Jetzt stimmt die Ordnung wieder. Die Prinzessin sagt, daß der Grund, warum sie nicht verheiratet ist, im Neid und der Mißgunst der Nachbarn zu suchen sei. Überall in der Nachbarschaft gibt es Hexen, die über Zauberkräfte verfügen. Die geheime Macht der alten Frauen ist tief verwurzelt, aber nicht sichtbar. "Wenn eine Frau einen Mann sucht, geht sie zu einer Baloi - einer Hexe. Die Baloi mixen einen Trunk, den die Frau einnimmt. "Alle Frauen", so sagt Nnana, "holen sich ihre Männer und Liebhaber mit Hilfe der Baloi. Sie zerstören, um ihr Ziel zu erreichen, auch Ehen und Familien. Du wirst das nicht glauben. Aber es ist so." Die Fähigkeiten der alten Frauen und ihre bösen Mächte, die mir wie eine späte Rache erscheinen, beginnen mich zu interessieren. Ich frage mich, wo bei uns das magisch Böse geblieben ist? "Sala sentle! Good bye!" Ich komme wieder... (Eva Heldmann) [zurück zum Filmdatenblatt] [zum Seitenanfang] |